Ich habe es geschafft!

Überglücklich nicht mehr auf dem Sattel sitzen zu müssen

Am Samstag 27.06.2020 bin ich von Freising nach Westhofen (Rheinhessen) mit meinem Rennrad gefahren. 388 km und über 2600 Höhenmeter habe ich in etwas mehr als 14 Std. reine Fahrzeit absolviert. Aber der Reihe nach;

Bereits am Freitag war alles bereit zur Abfahrt. Schließlich solle es ja schon nachts um 3 Uhr los gehen. Der Wecker klingelte nach etwa vier Stunden Schlaf um 2 Uhr. Einen Kaffee und eine Nussecke gabs zum „Frühstück“. Danach habe ich mich fertig für die Fahrt gemacht. Neben der Gesäßcreme habe ich darauf geachtet, dass die Radkleidung von Anfang an gut sitzt. Um 2:45 Uhr ging es vor die Tür. Daniel vom TSV Jahn Freising war schon da. Er begleitete mich auf dem ersten Drittel. Radcomputer angemacht und die Tour laden lassen. Zwischenzeitlich in der Dunkelheit irgendwie ein Foto vor der Abfahrt gemacht, um das Ganze auch festzuhalten.

Vor der Abfahrt

Pünktlich um 3:00 fuhren wir los. Stock dunkel und schwüle 18 Grad waren es. Zuerst durch Freising und dann über Haindlfing ins Ampertal. Es rollte von Anfang an richtig gut. Daniel und ich radelten deswegen oft nebeneinander und unterhalten uns. Mental war das – vor allem im Dunkeln – eine sehr gute Stütze für mich. Beim ersten steileren Anstieg von Ilmünster nach Scheyern sah man im Osten den Himmel schon heller werden. Gen Westen fahrend hatten wir den Sonnenaufgang im Rücken, sodass wir nur von ihm Kenntnis nehmen konnten. Nach 85 km kamen wir dann in Rain am Lech an. Meine Freundin Jessi wartete schon mit allen notwendigen Utensilien, die wir benötigten. Schnell den Radcomputer an die Powerbank angeschlossen, denn der hat nicht so viel Ausdauer wie der Fahrer. Radflaschen gefüllt, das Licht demontiert, noch einen Riegel gegessen und nach ein paar lockeren Worten ging es auch schon wieder weiter.

Auf den ersten Metern durch Rain wurde es uns kurz sogar etwas frisch – eine willkommene Abkühlung an diesem schwül-warmen Tag. In Donauwörth überquerten wir die Donau und fuhren dann in Nordwestliche Richtung südlich an Harburg und Nördlingen vorbei. Es wurde immer heller und der Verkehr nahm zu. Kurz nach dem wir den Freistaat Bayern verlassen haben, stürzte ich in einer Ortschaft. Was war geschehen? Bergauf fahrend kamen wir an eine Rechts-vor-Links-Kreuzung. Von rechts kam ein Auto und zeitgleich waren Daniel und ich uns uneinig über den Weg. Daniel wollte geradeaus ich nach rechts. Dumm nur, dass ich links von Daniel war. Ich musste bremsen und bin quasi fast stehend umgefallen, weil ich nicht schnell genug aus den Klickpedalen kam. Zum Glück außer ein paar Schürfwunden und blauen Flecken nichts Schlimmeres, was die Weiterfahrt groß beeinträchtigte. Kurz geschüttelt ging es dann weiter. In Bopfingen nach etwas mehr als 140 km trennten sich dann die Wege von Daniel und mir. Er fuhr weiter zu seiner Familie nach Schwäbisch Gmünd und für mich ging es nach Ellwangen zum zweiten Stopp. Nach 168 km entdeckte ich dann am Straßenrand Jessi und meinen Papa. Die Abläufe in den Pausen waren im Prinzip immer die Gleichen. Dieses Mal nahm ich mir ein paar Minuten mehr Zeit, um mich auch mit Sonnenspray einzureiben. Ab hier begleitete mich weitestgehend mein Papa mit dem Motorrad. Dies war nicht permanent möglich, weil ich teilweise auf Radwegen unterwegs war, die er nicht mit seinem Motorrad befahren konnte.

Nach der Pause ging es dann etwas durch Ellwangen in Richtung Schwäbisch Hall. Dort stellte ich dann fest, dass ich einen kleinen Fehler in der Routenplanung gemacht hatte. Ich musste durch die Altstadt. Das bedeutete nicht nur erhöhte Aufmerksamkeit und Kopfsteinpflaster. Ich konnte auch bei weitem nicht so schnell fahren, wie ich wollte. Nachdem der Kocher und die B19 gequert waren, kam dann ein richtig steiler Anstieg. Den hatte ich erwartet. Schließlich kannte ich das Kochertal durch die vielen Autofahrten über die A6. Laut dem Strava Segment hat der Anstieg 68 Höhenmeter auf 600 Meter. Kurz vor Kupfer verloren mein Papa und ich uns aus den Augen. Grund dafür war ein weiterer Routenfehler. Die Route sollte mich mitten über ein Firmengelände führen, was natürlich nicht möglich war. Somit musste ich etwas Umweg fahren, um wieder auf die geplante Route zu kommen. Nun sollten mein Papa und ich uns bis zur nächsten Pause nicht mehr sehn. Es ging in Richtung Öhringen und der Himmel wurde immer dunkler. Ein kleiner schwacher Moment für mein Durchhaltevermögen: meine Begleitung war weg, es schaute nach Unwetter aus und die Verpflegung ging so langsam zu Neige. Knapp eine Std fuhr ich nun allein bis zum nächsten Stopp bei km 248. Dort warteten meine besorgten Eltern. Nervlich gezeichnet waren beide abfahrbereit, um mich zu suchen, wenn mir etwas zu gestoßen wäre. Dadurch war natürlich nichts für die Pause vorbereitet. Zuvor hatte übrigens Jessi das ganze Material an meine Mutter übergeben, sodass sie schon mal nach Rheinhessen fahren konnte. Da es Mittagszeit war, gönnte ich mir ein paar Muffins meiner Mutter und eine Cola. Ansonsten waren die Abläufe gleich. Hinterher stellte ich fest, dass die Pause mit knapp 40 min länger als geplant war. So summierte sich die Gesamtzeit etwas auf. Dennoch waren wir gut im Plan, weil ich das angestrebte Tempo problemlos fahren konnte.

Schwäbisch Hall in der Anfahrt auf den steilen Anstieg

Als es dann „endlich“ weiter ging, setzte auch etwas Regen ein. Zum Glück war er nicht ganz so stark. So war er eine angenehme Abkühlung. Nach nicht mal 30 min war es dann auch schon wieder trocken. Bei Kochertürn war ich dann von der Navigation meines Radcomputers so genervt, dass ich mich von da an komplett von meinem Papa lenken gelassen habe. So musste ich zwar teilweise stärker befahrene Straßen benutzen. Das war aber psychisch leichter zu verkraften als ständig falsch abzubiegen. Durch die Kurorte Bad Wimpfen und Bad Rappenau ging es dann durch den nördlichen Kraichgau in Richtung Neckargemünd. Bei Helmstadt-Bargen wartete dann ein Tross meines Heimatvereins LLG Wonnegau um mich auf den letzten 90 km zu begleiten. Über ein paar knackige Anstiege mit bis zu 15% Steigung ging es dann zum letzten geplanten Stopp bei Dilsberg. Von da aus waren es noch ca. 75 km bis Westhofen. Ein Teil meiner besten Freunde wartete dort zusammen mit meiner Mutter. Das sollte der Anfang eines ereignisreichen und emotionalen letzten Streckenabschnitts werden.

Nach dem die letzte Verpflegung aufgenommen wurde, ging es um kurz nach 17 Uhr weiter mit dem Ziel vor 20:00 Uhr Westhofen zu erreichen. Kurz vor Heidelberg merkte ich plötzlich, dass mein Hinterradreifen platt war. Also haben wir schnell das Hinterrad ausgebaut. Bevor wir den neuen Schlauch eingezogen haben, kontrollierten wir den Mantel auf Splitter. Da wir keine gefunden hatten, vermuteten wir einen Durchschlag oder Durchstich. Weil wir mit der Handpumpe nicht so viel Druck auf den Reifen bekamen, habe wir noch auf meine Mutter mit der Standpumpe gewartet. Das hat natürlich nochmal Zeit gekostet. Aber dann konnten wir endlich weiterfahren. Doch nach 5 min war der Reifen schon wieder fast komplett platt. Diesmal haben wir den Glassplitter, der wahrscheinlich schon für den ersten Platten verantwortlich war, gefunden. Etwas gefrustet verzichtete ich auf die Standpumpe und fuhr mit dem verminderten Druck weiter. Die zwei ungeplanten Pausen hatten uns im Endeffekt dann auch doch nochmal über eine halbe Stunde im Zeitplan gekostet. Doch dann lief es und ich beschloss von nun an den angebotenen Windschatten auch durchgängig zu nutzen. Dadurch senkte sich zwar die Durchschnittsleistung aber nicht die Geschwindigkeit. Am Ende einer solchen Tour ist das durchaus angenehm. Von Heidelberg pedalierten wir nach Mannheim. Kreuz und quer ging es durch mehrere Stadtteile in Richtung Lampertheim. So eine Stadtdurchfahrt kostet durch das ständige Stopp and Go auch immer etwas Durchschnittsgeschwindigkeit. Im Stadtteil Blumenau stieß dann noch mein Kumpel Brian zu unserer kleinen Gruppe dazu. Danach verließen wir Mannheim in Richtung Lampertheim, was bedeutete auch mit Hessen nun das dritte Bundesland an diesem Tag zu durchfahren . Nach Lampertheim ging es am Rheindamm entlang zur Nibelungenbrücke nach Worms und somit nach Rheinland-Pfalz (4. Bundesland). Kaum die Brücke überfahren, warteten auch schon neben meiner Schwester Sabina, der lokalen Presse auch noch weitere Vereinsmitglieder der LLG Wonnegau auf mich um mich für die letzten 18 km zu begleiten. Natürlich musste ich der Presse erst mal Rede und Antwort stehen. Von da an war es nur noch surreal. Kurz danach wurde ich noch von einem Einsatzwagen der Feuerwehr Westhofen eskortiert. Die letzten Kilometer bekamen immer mehr den Charakter einer Art „Triumphfahrt“. Noch in Worms wartete die Familie von Jessi auf mich. Natürlich hielt ich nochmal kurz an. Sie hatten mich zuletzt vor dem Lockdown persönlich gesehen. Über Worms-Herrnsheim ging es dann nach Osthofen, um noch ein paar Höhenmeter zu sparen. Dort regelte sie Feuerwehr Osthofen kurzzeitig den Verkehr so, dass ich ohne anzuhalten durch die Stadt fahren konnte. Wer schon mal durch Osthofen gefahren ist, weiß, dass das eigentlich unmöglich ist. Kurz vor dem Westhofener Ortsschild durfte ich dann nochmal die Nase in den Wind halten und als erster durch den Kreisel in die Wormser Straße fahren. Als ich dann auf dem Feuerwehrhof einbog wurde ich mit Blaulicht, Martinshorn, einer Dusche und viel Applaus empfangen.

Einfahrt in den Feuerwehrhof

Der Zuspruch für meine Tour und die Dankbarkeit für die bis zu dem Zeitpunkt eingegangenen 2200€ Spenden für die Feuerwehr waren deutlich zu spüren. Das Gefühlschaos in mir kann ich immer noch schwer beschreiben. Hätte ich nicht so viel geschwitzt, wäre sicherlich auch die ein oder andere Freudenträne vergossen worden.

Ein paar Zahlen:

388 km in 14:15 Std Fahrzeit (verstrichene Zeit 18 Std)

27,1 km/h im Schnitt für die ganze Tour

8300 verbrannte Kalorien (kcal)

Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe. Ich bin stolz darauf ein solches Umfeld zu haben, dass mich so darin unterstützt hat. Angefangen bei meiner Freundin Jessi, meiner Familie, meinen beiden Vereinen LLG Wonnegau und TSV Jahn Freising, meiner Trainerin Theresa, meinen engsten Freunden und meinen ehemaligen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Westhofen.

Was die Spendenaktion betrifft: Diese läuft noch bis zum 12.07.2020

Es hilft jeder Euro. Gerne spendet einen Betrag eurer Wahl an folgende Bankverbindungen:

Foerderverein Freiw. Feuerwehr Westhofen e.V.

Verwendungszweck: Chris radelt heim

IBAN: DE81 5509 1200 0030 2491 00

Volksbank Alzey-Worms BIC: GENODE61AZY

Kontakt für Spendenquittung: vorsitzender@feuerwehr-westhofen.de

BRK Kreisverband Freising

Verwendungszweck: Chris radelt hoam

IBAN   DE61 7005 1003 0000 0153 47                     

Sparkasse Freising  BIC BYLADEM1FSI

Kontakt für Spendenquittungen: info@kvfreising.brk.de

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